Wofür brauche ich eigentlich eine Gebärmutter?

Erinnerst Du Dich noch an alles, was DU im Sexualkundeunterricht (oder auch bei Dr. Sommer, danke Bravo) gelernt hast?

Also wir sicher nicht. Um zu verstehen, was jeden Monat in den Körpern menstruierender Personen vor sich geht, sollten wir erst einmal aufarbeiten, wo sich das Ganze abspielt.




Also los gehts, hier sind die wichtigsten Infos rund um die Gebärmutter.



Na, wo ist sie denn?

Die Gebärmutter liegt im Unterbauch zwischen der Harnblase und dem Enddarm. Sie ist etwa so groß wie eine auf dem Kopf stehende Birne und hat auch in etwa die selbe Form, wiegt aber mit ca. 50 - 70g weniger (eine Birne wiegt so um die 200g). Je älter man wird und je mehr Schwangerschaften man hinter sich bringt, desto größer kann sie jedoch werden - am Ende kann sie mehr als doppelt so groß sein! Noch krasser ist es natürlich gegen Ende einer Schwangerschaft. Allein die Muskeln der Gebärmutter wiegen dann um die 500 g und die Gebärmutter selbst dehnt sich auf die Größe von zwei Fußbällen aus! Insgesamt wiegt die Gebärmutter kurz nach der Schwangerschaft etwa 1 Kilogramm. Innerhalb von 5-6 Wochen bildet sie sich vollständig zurück und wiegt wieder nur ca. 60g.



Aufbau und Support


Wir teilen uns die Gebärmutter in 5 Teile auf:


  1. Gebärmutterkuppe / Gebärmuttergrund (Fundus uteri)

  2. Gebärmutterkörper (Corpus uteri)

  3. Gebärmutteristhmus (Isthmus uteri)

  4. Gebärmutterhals (Cervix uteri)

  5. Muttermund (Portio)



Die Gebärmutterkuppe bildet das Dach des Uterus. Der Hohlraum im Gebärmutterkörper wird (leicht zu merken) Gebärmutterhöhle genannt. Ausgekleidet, also quasi tapeziert, ist diese mit einer Schleimhaut die Endometrium genannt wird. Außerdem münden die Eileiter in die Gebärmutterhöhle und verbinden sie so mit den Eierstöcken.

Der Gebärmutteristhmus stellt die Verbindung zwischen Gebärmutterkörper und Gebärmutterhals her. Der Gebärmutterhals ragt bis in die Vagina hinein und hilft das Scheidengewölbe zu stützen.


Apropros stützen - damit die Gebärmutter im Bauchraum nicht einfach hin- und herfliegt, ist sie an einem Bändersystem aufgehängt, die sie mit den Seitenwänden des Beckens verbindet. Zusätzlich trägt der Beckenboden ALLE Unterleibsorgane (stark!) und ist wie ein Zelt aus Muskeln und Bindegewebe aufgespannt.


Eileiter und Eierstöcke gehören nicht direkt unter den Oberbegriff Gebärmutter. Trotzdem wollten wir sie nicht auslassen. Es gibt zwei Eileiter (Tuba uterina), die im Grunde genommen kleine Schläuche aus Muskelgewebe sind, durch die Eizellen von den Eierstöcken in die Gebärmutterhöhle geleitet werden. Die Eileiter münden in den Fimbrientrichter - nicht in die Eierstöcke. Die Fimbrien sehen aus wie kleine Fransen. Beim Eisprung richten sie sich auf und umschließen den Eierstock, um die Eizelle aufzufangen. Dabei kontrahieren die Eileiter, weshalb manche Menschen ihren Eisprung auch spüren oder sogar als schmerzhaft empfinden.

Die Eierstöcke sind sowohl für die Produktion von Geschlechtshormonen wie Östrogen und Progesteron sowie für das monatliche Heranreifen einer Eizelle verantwortlich.


Wat kann die denn alles?

Die primäre Funktion der Gebärmutter ist das (wie der Name schon sagt) Gebären von Kindern.

Aus dem Grund, um es einer befruchteten Eizelle so gemütlich wie möglich in der Gebärmutterhöhle zu machen, durchlaufen menstruierende Menschen jeden Monat den Menstruationszyklus. Wie genau er funktioniert und in welche Phasen er unterteilt wird, klären wir im nächsten Blogpost.

Aber auch wenn wir aufhören zu menstruieren, ist unsere Gebärmutter nicht plötzlich unwichtig. Sie hat weiterhin starken Einfluss auf das sexuelle Empfinden und auf die gesamte Statik des Unterbauchs. Da es aber aufgrund mancher Krankheiten notwendig sein kann, die Gebärmutter zu entfernen, wollen wir auch darüber aufklären und kurz auf die möglichen Folgen einer Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) eingehen. Das ersetzt natürlich kein Aufklärungsgespräch mit einem/r Fachärzt*innen, solltest Du also tatsächlich überlegen Dir die Gebärmutter entfernen zu lassen (z.B. bei einer ausgeprägten Adenomyose) hol Dir am besten an mehreren Stellen ärztlichen Rat (und fühl Dich von uns gedrückt!)


Die Hysterektomie und ihre Folgen


Hysterektomien werden laut dem RKI etwa 133.000 mal im Jahr (2012) durchgeführt. Es gibt drei Arten der Hysterektomie. Bei der Teilhysterektomie wird lediglich der Gebärmutterkörper entfernt, bei der totalen Hysterektomie zusätzlich dazu auch der Gebärmutterhals. Bei der radikalen Hysterektomie werden außerdem angrenzende Teile der Vagina und Teile des Halteapparates entfernt. Machmal auch noch die Eierstöcke, Eileiter und Lymphknoten im Becken.

Eine Hysterektomie wirkt sich auf die gesamte Statik des Unterbauchs aus. Denn der Beckenboden stützt nicht nur die Gebärmutter, sondern wird umgekehrt auch von ihr gestützt. Deshalb, und weil der Uterus auch Verbindungen zum Darm und der Blase hat, kann es zu Blasenschwäche und Stuhlproblemen kommen.

Außerdem wird die Hormonproduktion beeinflusst und die Durchblutung der Eierstöcke (wenn sie nicht mitentnommen werden) verändert sich. Im Schnitt kommt die Menopause dadurch etwa 4 Jahre früher. Wenn die Eierstöcke mit entfernt werden, setzt sie sofort ein und somit auch die Symptome der Menopause.

Manchmal kann sich das sexuelle Empfinden nach einer Hysterektomie entweder verbessern oder verschlechtern. Wenn vor der Hysterektomie der Geschlechtsverkehr schmerzhaft war (z.B. aufgrund einer Adenomyose), dann sollte es sich nach der Gebärmutterentfernung besser anfühlen, da die Schmerzen wegfallen. Dadurch wird das sexuelle Empfinden bzw. die persönliche Beziehung zu Sex verbessert. Doch unsere Sexualität hat sehr viel mit unserer Psyche zu tun. Oftmals ist die Entfernung der Gebärmutter nicht nur eine Erleichterung (z.B. wegen Schmerzen, Krebserkrankungen etc.) sondern auch ein enormer Verlust, der die betroffene Person stark belasten kann. Rein physiologisch ergeben sich normalerweise jedoch keine Einflüsse auf die Sexualtität.


!!! Übrigens !!! Falls das bei Dir der Fall sein sollte und Dir aus medizinischen Gründen die Gebärmutter entfernt werden muss, wollten wir nur kurz anmerken, dass Dich das nicht weniger zu einer Frau macht. Du bist das, was Du fühlst zu sein. Daran kann ein Organ mehr oder weniger nichts ändern.


Wie fühlst Du Dich jetzt mit diesem (wieder) erlernten Wissen? Gab es Dinge, die Dich überrascht haben? Schreibt es uns in die Kommentare! Wir wissen oft viel zu wenig über unsere eigenen Körper. Dabei leisten sie so unfassbar viel und es gibt viele kleine Wege, um sie dabei zu unterstützen! Deshalb ist es umso schöner, dass Du Dir heute die Zeit genommen hast, diesen Post zu lesen. Und noch schöner wäre es, Dich beim nächsten Blogpost wiederzusehen. Wir sind wie Beckenboden und Gebärmutter - wir supporten uns gegenseitig.


Bis dahin!

Dein Happy Period Team

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