Sex geht durch alle Zeiten – Verhütung auch!

Aktualisiert: 3. Mai 2021


Heute ist Verhütung „ganz easy“. Einfach jeden Abend eine Pille schlucken und ab ins Schlafzimmer (die ganzen Nebenwirkungen ignorieren wir an dieser Stelle mal kurz). Alternativ Kondompackung aufreißen, drüberziehen und los gehts.

Doch wie wurde früher verhütet?

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Der Nachttisch der Antike


Heute haben wir vielfältige Möglichkeiten zur Verhütung, wie das Kondom, die Pille, Spiralen, Spritzen und noch mehr. Im Ägypten der Antike gab es diese Möglichkeiten allerdings nicht. Stattdessen mixte man damals Krokodildung (ja, das habt ihr richtig gelesen, Dung) mit Akazienhonig oder Pflanzenschleim. Die Mischung wurde dann in die Vagina eingeführt, um so den Muttermund zu verschließen und die Spermien vom Eindringen in die Gebärmutter abzuhalten. Tatsächlich veränderte der Kot den pH-Wert der Vagina und machte den Spermien ein Eindringen schwerer (bitte trotzdem nicht nachmachen).


Es gibt aber auch Aufzeichnungen über Getränke, die nach dem Geschlechtsverkehr zu sich genommen wurden, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Eines davon war zusammengesetzt aus süßem Bier, Öl und Sellerie. Einige dieser Trunke enthielten nach heutigem Kenntnisstand empfängnisverhütende Inhaltsstoffe (aber nochmal, bitte nicht nachmachen).


Eine der frühesten Verhütungsmethoden ist eine, die vielen auch heute noch bekannt ist, von der jedoch abgeraten wird: der coitus interruptus. Dabei zieht der Mann seinen Penis kurz vor dem Samenerguss aus der Vagina heraus, um so das Eindringen von Spermien zu verhindern. Allerdings können auch vor dem Orgasmus bereits einige Spermien in die Vagina gelangen, daher gilt diese Methode als eher unsicher. Auch Analverkehr wurde damals als Alternative zum Vaginalverkehr eingesetzt um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Im antiken Griechenland gab es stattdessen noch einige andere, sagen wir mal interessante Optionen, die aber wohl gar nicht schlecht wirkten. Durch das Tränken von Schwämmchen in verschiedenen Mixturen, unter anderem aus Ingwer, Granatapfelkernen, Harzen, Essig, Honig, Salzlake und einigen mehr, wurde der Säure-Basen-Haushalt der Vagina beeinflusst (genau wie durch den Krokodilkot). Die Spermien trafen also auf ungüstigere Aufnahmebedingungen als gewöhnlich. Für die Vagina ist das Ganze aber nicht sonderlich gesund.


Ansonsten gab es auch noch Pessare (was ursprünglich Spielstein bedeutete, aber mittlerweile für ringförmige Gegenstände steht, die den Gebärmuttermund verschließen) welche mit Honig eingerieben wurden. Dann wurden sie in die Vagina eingeführt und verschlossen dort den Muttermund.


Auch Männer waren an der Verhütung beteiligt. Im 4. Jahrhundert nach Christus sprach ein Arzt Männern eine Empfehlung zur Empfängnisverhütung aus. Sie sollten vor dem Sex ihren Penis mit verschiedenen Substanzen wie Hahnenkopfsaft, Alaun oder Granatapfelsaft und Essig einreiben. Außerdem gab es erste Kondome aus Fischblasen und Tierdärmen.


Der Sprung ins Mittelalter


Wortwörtlich. Denn nach dem Sex wurde hier oft genießt und gehüpft, um die Spermien wieder aus dem Körper hinauszubefördern. Außerdem sollte man die Knie anziehen und bestimmte Kräuter (teilweise giftig) zu sich nehmen. Ansonsten bediente man sich auch zu dieser Zeit des coitus interruptus oder des Analverkehrs.

Aber durfte man im Mittelalter überhaupt Sex haben?


Nur unter bestimmten Bedingungen. Denn im Mittelalter gab das Christentum den Ton an. Die Kirche stellte einige neue Regeln rund um den Geschlechtsverkehr auf, um ihn möglichst gering zu halten. Zuallererst durften selbstverständlich nur verheiratete Paare miteinander schlafen. Und dann auch nur Montags, Dienstags, Donnerstags oder Sonntags, vorausgesetzt es handelte sich nicht um einen Feiertag. Während der Menstruation der Frau war der Geschlechtsverkehr auch untersagt.

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Die Kirche und die keusche Bevölkerung hatte ihre eigenen, ganz tollen Verhütungsmittel. Darunter Keuschheitsgürtel aus Metall oder Leder, oder auch Peniskäfige. Doch Menschen sind nun einmal Menschen und die meisten Menschen haben eben gerne Sex. Der Großteil der Bevölkerung verlagerte sein Liebesleben also einfach in den privaten Bereich, statt wie in der Antike keinen Hehl daraus zu machen. Was die Kirche nicht weiß...


Die Kirche und Sex haben geschichtlich gesehen keine sehr gute Beziehung zueinander gehabt. Zeitweise verbot der Vatikan sogar den Verzehr von Schokolade, da dies die Lust steigern würde. Papst Paul VI. (1963-1978) ist einigen vielleicht noch als „Pillen-Paul“ bekannt, da er sich gegen die Pille aussprach. Immerhin akzeptierte er jedoch die Kalendermethode als Verhütungsmittel. Aber bevor wir zu Kalendermethode und Pille kommen...


Dick eingepackt


Ab dem 17. Jahrhundert wurden in den Bordellen Europas Kondome angewendet. Heutige Kondome sind aus Latex, damals waren sie noch aus Tierdärmen oder verschiedenen Stoffen. Damit diese nicht herunterrutschten, wurden sie mit einer Schnur festgezogen. Casanova soll immer ein paar Baumwollkondome (oder Schafsdarmkondome, je nach Quelle) zur Hand gehabt und seinen One-Night-Stands halbe Zitronenscheiben als eine Art Diaphragma eingeführt haben.


Apropos Casanova – die Deutschen waren für diesen Lebenstil noch nicht bereit. Sie hatten lange Zeit gar kein Wort für die Kondome, da sie, laut den Stimmen der damaligen Zeit, keuscher waren als ihre europäischen Nachbarn.


Im Jahr 1834 erfand Charles Darwin dann die Vulkanisierung, wodurch Kondome belastbarer und dehnbarer wurden. Allerdings waren sie noch um einiges dicker als unsere heutigen Kondome. Von „gefühlsecht“ war man damals noch weit entfernt. Einige anderen Verhütungsmethoden waren damals das Ausspülen der Vagina mit verschiedenen Flüssigkeiten wie Essig, um so die Spermien wieder loszuwerden. Alternativ wurden zusammengemischte Pulver aus Bor und anderen Substanzen vor dem Sex in die Vagina gesprüht.

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Die Deutschen verhüteten bis in das 20. Jahrhundert hinein lieber anders – in ländlichen Gegenden zu 80% mit coitus interruptus. Währenddessen wurden in England bereits die ersten Spiralen beworben.


Die Forschung begann sich immer mehr für den weiblichen Körper und den Zyklus zu interessieren. Was auch dem Umstand zu verdanken war, dass nun immer mehr Frauen studierten und Forschung betrieben. 1930 wurde dann ein erster Zykluskalender entwickelt, anhand dessen grob berechnet werden konnte, in welcher Zyklusphase man sich gerade befand. Grob deshalb, weil es heutigen Standards mit Basaltemperaturmessungen etc. an Genauigkeit weit unterlegen war. Zudem wurde von einem Zyklus von 28 Tagen ausgegangen, was, wie ihr in unserem letzten Blopost lesen konntet, der Durschnitt, nicht die Regel ist. Gesunde Zyklen sind nämlich zwischen 25 – 36 Tage lang.


Durch das dritte Reich wurden viele Bemühungen im Bereich der Verhütungs- und Empfängnisforschung jedoch zunichte gemacht, denn Deutschland brauchte Kinder für den Krieg. Daher wurde sogar ein Verhütungsverbot erlassen.

1961 kam dann schließlich die allererste Pille nach Deutschland. Kondome und Spiralen wurden entwickelt und weiterentwickelt - und werden es heute noch. Zusätzlich gibt es mittlerweile Hormonspritzen, Hormonpflaster, Basalthermomether und und und.


Noch ein kleiner Fun Fact zum Ende – wir haben ja schon gesagt, dass das Ausspülen der Vagina nach dem Geschlechtsverkehr weit verbreitet war. Haben eure Eltern oder Großeltern zufällig ein Bidet zuhause? Und haben sie auf Nachfrage gemeint, ein Bidet wäre für das Füße-, Popo- oder Wäschewaschen da? Entweder haben sie geschwindelt, oder kennen die eigentliche Bestimmung eines Bidets selbst nicht. Denn das Bidet wurde einzig und allein für die Empfängnisverhütung entwickelt. Gerngeschehen.


Wie wird die Verhütung der Zukunft aussehen? Schreibt uns Eure Ideen und Gedanken dazu gerne in die Kommentare!


Bis bald!

Euer Happy Period Team



Bei unseren Recherchen zu dem Thema Verhütung stießen wir auf das MUVS – das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbrüche in Wien. Dort werden aktuell Online-Führungen angeboten, falls ihr noch mehr über das Thema Verhütung erfahren wollt.

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