Hormonell Verhüten Teil 2


Heute kommen wir zum abschließenden Kapitel unserer Artikel zum Thema Verhütung. Wie auch im vorherigen Artikel gehen wir jetzt weiteren hormonellen Verhütungsmitteln auf den Grund. Wenn Ihr alle bisherigen Beiträge gelesen habt, seid ihr mittlerweile quasi Experten! Habt ihr trotzdem noch Fragen oder ist etwas unklar geblieben? Schreibt uns gerne in den Kommentaren!


Wichtig: Wir ersetzten keine ärztliche Beratung. Wir wollen lediglich versuchen, Euch einen Überblick über die verschiedenen Verhütungsmethoden und deren Vor- und Nachteile zu verschaffen.



Die Hormon Spirale


gif

Wir beginnen mit einer Verhütungsmethode, die wahrscheinlich viele von Euch schon kennen: die Hormonspirale. Die Hormonspirale ist ein Langzeitverhütungsmittel. Sie wird etwa 3 bis 5 Jahre in die Gebärmutter eingesetzt. Damit ist sie sehr interessant für diejenigen unter uns, die sich nicht oft mit ihrer Verhütung plagen wollen und in der nahen Zukunft keinen Kinderwunsch haben. Zudem ist sie außerdem sehr sicher. Auf dem Pearl Index erreicht die Hormonspirale einen Wert von 0,16 (was der Pearl-Index ist erfahrt Ihr hier).


Mit ihrer T- oder Ankerform aus Kunststoff wird die Hormonspirale in die Gebärmutter eingesetzt. Während ihrer Zeit im Körper gibt sie geringe Mengen des Gelbkörperhormons Levonorgestrel, eine Art synthetisches Gestagen, in die Gebärmutter ab. Das Hormon bewirkt den Aufbau von zähem Schleim im Gebärmutterhals, der Spermien den Weg in die Gebärmutter erschwert. Gleichzeitig hemmt Levonorgestrel das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut für den Fall, dass Sperma doch in die Eileiter gelangen sollte. Ohne die nötige Gebärmutterschleimhaut kann das Ei sich nicht einnisten und entwickeln.


Die Spirale kann lediglich von einem*rGynäkologen*in eingesetzt werden. Der Preis für die Einlage in die Gebärmutter liegt zwischen 250-400€ für eine Dauer von etwa 5 Jahren. Viele Menstruierende empfinden das Einsetzen der Spirale oftmals als sehr schmerzhaft. Besonders in den ersten Monaten kann es zu unregelmäßiger Menstruationsblutung kommen, in manchen Fällen bleibt die Regelblutung sogar gänzlich aus. Zwei Mal im Jahr sollte der*die zuständige Gynäkologe*in kontrollieren, ob die Spirale richtig in der Gebärmutter sitzt. Übrigens: Für wen hormonelle Verhütung eher nicht infragekommt, gibt es als Alternative zur hormonellen Spirale die Kupferspirale! Mehr dazu könnt ihr hier erfahren.



Verhütungsstäbchen


Ein weiteres Langzeitverhütungsmittel ist das Verhütungsstäbchen. Auch diese Verhütungsmethode braucht keinen großen Eigenaufwand. Das Verhütungsstäbchen ist ein Hormonimplantat. Das etwa 4 cm lange und 2 Millimeter dünne Stäbchen wird unter der Haut an der Innenseite des Oberarms für einen Zeitraum von etwa 3 Jahren eingesetzt. In dieser Zeit gibt es kontinuierlich das Hormon Gestagen in geringer Dosis an den Körper ab. Auch hier sorgt Gestagen wieder für eine Verdickung und Undurchlässigkeit des Schleims im Gebärmutterhals, um den Weg für Spermien zu versperren.


Aufgrund der Hormonbelastung durch das Hormon Gestagen kann es auch hier zu unregelmäßigen Blutungen, Stimmungsschwankungen, Hautproblemen und Gewichtszunahme kommen. Apropos Gewicht: Bei übergewichtigen Menstruierenden kann es zu einer eingeschränkten Wirksamkeit kommen. Abgesehen davon wird das Stäbchen als sehr sicher angesehen. Auf dem Pearl-Index erreicht es einen Wert von 0,0 bis 0,8.


Das Stäbchen wird chirurgisch eingesetzt und nach 3 Jahren auch wieder auf dieselbe Weise entfernt. Die Kosten für das Stäbchen liegen bei um die 350 €. Wie auch die vorherigen erwähnten Verhütungsmethoden ist das Verhütungsstäbchen verschreibungspflichtig. Nach Entfernung des Stäbchens normalisiert sich der natürliche Zyklus oft binnen weniger Monate.



Verhütungspflaster


gif

Achtung jetzt wird’s klebrig! Eine weitere Methode für die hormonelle Verhütung ist nämlich das Verhütungspflaster. Das Verhütungspflaster wirkt transdermal. Das bedeutet, dass es die Hormone Gestagen und Östrogen über die Haut in die Blutbahn abgibt. Die Wirkung der Hormone bleibt im Grunde die gleiche, wir kennen das mittlerweile. Der Zervixschleim wird zäher und dicker und so wird das Eindringen der Spermien in die Gebärmutter blockiert. Außerdem haben sie Einfluss auf den Aufbau (oder besser gesagt Abbau) der Gebärmutterschleimhaut, um das Einnisten und die Entwicklung befruchteter Eizellen zu unterbinden. Auch die Ovulation (der Eisprung) wird durch das Pflaster verhindert.




Auch die Nebenwirkungen sind ähnlich. Durch die Hormonzufuhr kann es zu unregelmäßigen Blutungen sowie Gewichtszunahme, Übelkeit und Brustspannungen kommen. Auch das Thromboserisiko ist erhöht. Vorteile des Verhütungspflasters sind die lediglich wöchentliche Beschäftigung mit dem Pflaster sowie die relativ sichere Verhütung. Auf dem Pearl-Index erreicht das Verhütungspflaster einen Wert von 0,72 – 0,9.


Das Verhütungspflaster ist verschreibungspflichtig und sollte erst nach ärztlicher Absprache verwendet werden. Preislich liegt es bei etwa 40€ für einen Zeitraum von 3 Monaten. Bei der ersten Anwendung wird das Pflaster üblicherweise zwischen dem ersten und dem fünften Tag der Regelblutung aufgeklebt. Das Pflaster bleibt 7 Tage lang auf der Haut, dann wird es schließlich entfernt und durch ein Neues ersetzt. Dieser Wechsel sollte immer am selben Wochentag geschehen. Nach 3 Wochen dieser Prozedur wird eine Woche pausiert. In dieser Zeit setzt die Periode ein. Man kann das Pflaster zum Beispiel auf den Bauch, das Gesäß oder auch den Oberarm kleben (jedoch nicht auf die Brust!). Wichtig ist jedoch vor allem, dass die Stelle trocken und unbehaart ist. Auch Reibung und Cremes oder Puder sollten nicht auf die Stelle einwirken. Nach jedem Pflasterwechsel sollte eine neue Stelle ausgewählt werden, um der Haut eine Pause zu geben.



gif

Die meisten der hier beschriebenen Methoden sind sowohl sehr sicher als auch nicht sonderlich aufwendig. Dennoch kann Euch keine der Verhütungsmethoden eine 100 % Garantie geben, nicht schwanger zu werden – das heißt, die sicherste Methode bleibt wohl schließlich doch die Abstinenz (außer euer Name ist Heilige Maria, hallo Jesus).


Wie fast alles im Leben hat jede Methode ihre Vor- und Nachteile. Die verschiedenen Verhütungsmethoden haben einen beachtlichen Beitrag zur Emanzipation der Frau geleistet, da sie Menstruierenden die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, was sie mit ihrem Körper machen wollen! Die Betonung liegt auf Entscheidung. Nur Ihr solltet entscheiden, was mit eurem Körper gemacht wird und wie ihr verhütet. Findet heraus, was für Euch (und ggf. Eure*nPartner*in) passt. Do you!


Und weil man es nicht oft genug sagen kann: Unsere Artikel ersetzten keine professionelle ärztliche Beratung. Falls Euch das Thema nicht-hormonelle Verhütung auch interessiert, schaut einfach mal bei unseren letzten Artikeln vorbei. Auch hier findet Ihr viele Informationen zu Verhütungsalternativen. Bleibt gesund und gut verhütet!

Euer Happy Period Team



Quellen

https://www.quarks.de/gesellschaft/die-hormonspirale-eine-gute-alternative-zur-pille/

https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/spirale

https://www.minimed.at/medizinische-themen/frauengesundheit/hormonelle-verhuetung/

https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/verhuetungspflaster

https://focus-arztsuche.de/magazin/gesundheitstipps/verhuetungspflaster-so-wirkt-es

https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/sex/verhuetungsstaebchen-hormonimplantat-707749.html

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/hormonelle-verhuetung-neben-der-pille/verhuetungsstaebchen/

https://focus-arztsuche.de/magazin/verhuetungsmittel/verhuetungsstaebchen-das-sind-die-vor-und-nachteile

34 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen