Hormonell Verhüten Teil 1

Auch heute widmen wir uns wieder dem Thema Verhütung. Nachdem wir uns in den letzten Artikeln bereits mit antiken und hormonfreien Verhütungsmethoden beschäftigt haben, wollen wir heute mit Euch über hormonelle Verhütung reden. Das Wort zum Anfang – die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel sind eine wunderbare Erfindung, die Menstruierenden viel Freiheiten ermöglicht haben. Insbesondere bei diesen Verhütungsmethoden scheint die öffentliche Meinung jedoch oft gespalten. Hormone ja oder nein. Hormone schlecht oder gut. Dabei kommt es darauf an, was Euer Körper braucht. Was tut Euch gut. Habt ihr starke Nebenwirkungen? Holt Euch ärztlichen Rat und informiert Euch über Alternativen. Habt ihr keine Probleme oder müsst vielleicht sogar aus gesundheitlichen Gründen Hormone nehmen? Ein Glück, dass es die Möglichkeit dazu gibt. Der Punkt ist achtet darauf, was Ihr braucht und informiert Euch gut. Lasst Euch vor allem von niemandem sagen, was ihr zu nehmen oder nicht zu nehmen habt (außer vielleicht von Ärzt*innen, aber selbst dann solltet Ihr bei Unsicherheit eine zweite Meinung einholen).


Die erste Methode ist nichts für Kinder:

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Die Anti-Baby-Pille

Die Anti-Baby-Pille ist die am häufigsten verwendete hormonelle Verhütung. Vor über 60 Jahren eingeführt, wird sie heute etwa 30 % der Frauen in Deutschland verschrieben. Es handelt sich hierbei um sogenannte Kombi-Präperate, was bedeutet, dass die beiden Hormone Östrogen und Gestagen in der Pille enthalten sind. Durch das Gestagen wird der Schleim im Gebärmutterhals beeinflusst. Er bleibt zäh und verhindert so ein Eindringen der Spermien in die Gebärmutter. Zudem wird die Gebärmutterschleimhaut nicht richtig aufgebaut, was das Einnisten einer Eizelle so ziemlich unmöglich macht. Teilweise wird sogar der Eisprung verhindert und ohne ein Ei kein Küken bzw. Baby.


Es gibt verschiedene Pillen Packungen. Die einen enthalten 21 oder 24 Tabletten mit Hormonen. In der Woche, in der die Pille nicht eingenommen wird, tritt die Menstruation ein. Die anderen enthalten 28 Tabletten, um zu verhindern, dass anschließend die Einnahme vergessen wird oder durcheinandergerät. So bleibt man im Flow. Die letzten 7 bzw. 4 Tabletten enthalten jedoch keine Hormone mehr und sind somit Placebos. Während ihrer Einnahme kommt es zur Blutung.


Um eine lückenlose Verhütung zu gewährleisten, soll die Pille immer zur gleichen Zeit eingenommen werden. Jedoch kann die Anti-Baby-Pille bis zu 12 Stunden später noch nachgenommen werden, falls es doch einmal vergessen wird. Im Zweifelsfall schaut auf die Packungsbeilage oder fragt Eure*n Ärzt*in. An dieser Stelle erinnern wir wieder einmal daran, dass dieser Beitrag in keiner Weise eine ärztliche Beratung oder Behandlung ersetzt. Aber zurück zum Thema.


Vergesst ihr immer wieder die Pille oder nehmt sie regelmäßig zu spät ein, kann es passieren, dass sie nicht mehr richtig wirkt. Gleiches gilt bei Durchfall oder Erbrechen – in diesen Fällen solltet Ihr mindestens nach Ende der Krankheit eine Woche lang zusätzlich ein anderes nicht-hormonelles Verhütungsmittel (Kondom, Diaphragma etc.) benutzen. Gleiches gilt für die Einnahme von Antibiotika, Beruhigungsmitteln (auch pflanzliche) oder einigen Schmerzmittel (sprecht auch hier bitte mit Ärzt*innen oder Apotheker*innen).


Die Sicherheit ist, wie bei allen bisher vorgestellten Verhütungsmethoden, durch die Genauigkeit der Anwendung bedingt. Bei perfekter liegt der Pearl-Index der Pille zwischen 0,3 und 1, bei typischer zwischen 2,5 und 9.


Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an etwa 70 verschiedenen Präparaten, die demnach mehr oder weniger mit Euch kompatibel sein können. Je nach Pille (zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker) fallen als mögliche Nebenwirkungen in der Packungsbeilage Begriffe wie „Zwischenblutungen“, „Brustspannen“ oder „Gewichtszunahme“. Auch „Stimmungsschwankungen“ und „Kopfschmerzen“ sind bekannte Übeltäter und es kommt zu einem erhöhten Thromboserisiko.


Die Pille kann aber auch positive Begleiter haben und zum Beispiel für einen regelmäßigeren Zyklus oder reinere Haut sorgen. Bis zum Alter von 18 Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten komplett, danach fallen für die nächsten zwei Jahre Kosten von 5 – 10€ für eine Laufzeit von 3 Monaten an. Ab dem 20. Lebensjahr müssen die Kosten für die Pille selbst getragen werden – und variieren je nach Präparat und Hersteller.



Die Mini-Pille


Als Alternative zur Anti-Baby-Pille gibt es die sogenannte Mini-Pille. Die Mini-Pille enthält anders als die Anti-Baby-Pille nur das Hormon Gestagen. Da hier der Eisprung nicht verhindert wird, sondern lediglich Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut genommen wird, um das Eindringen von Spermien zu verhindern, ist es bei dieser Pille essenziell, dass sie jeden Tag zur selben Uhrzeit genommen wird. Wird sie auch nur einmal ein paar Stunden zu spät eingenommen oder gar vergessen, muss für den Rest der Woche zusätzlich verhütet werden. Ein Vorteil der Mini-Pille ist die geringere Hormonbelastung für den Körper, weswegen auch Thrombose-Risikopatienten oder Menstruierende mit Östrogenunverträglichkeit die Pille einnehmen können (natürlich jedoch nur nach Absprache mit Eurem*r Gynäkolog*in). Auf dem Pearl Index erreicht die Mini-Pille einen Wert von 0,5 bis 3.



Der Vaginalring

Falls Ihr zu der vergesslicheren Gruppe der Menstruierenden gehören solltet, ist vielleicht der Vaginal- oder auch Verhütungsring eine Alternative für euch. Der Vaginalring ist ein Ring (Tatsache) aus Kunststoff, der in die Vagina eingeführt wird. Sein Durchmesser beträgt etwa 5 cm. Durch leichtes Zusammendrücken kann der Ring in der Vagina platziert werden. Während seiner Zeit im Gebärmutterhals gibt der Verhütungsring automatisch die Hormone Östrogen und Gestagen ab und erzielt damit die gleichen Ergebnisse (und potenziellen Nebenwirkungen) wie die Anti-Baby-Pille. Einmal drin, kommt der Ring erst 3 Wochen später wieder heraus. In der Woche, in der kein Ring eingeführt ist, setzt für gewöhnlich die Regelblutung ein. Sind die 7 Tage um wird ein neuer Ring eingeführt.


Da der Ring hormonell wirkt, gibt es keine bestimmte Position, wie er in die Vagina platziert werden muss. Somit sind auch die ohne Feingefühl in den Fingerspitzen bedient. Falls der Vaginalring Euch oder Euren Partner beim Sex stören sollte (was aber üblicherweise nicht der Fall ist), kann der Vaginalring zwischendurch auch einmal bis zu 3 Stunden herausgenommen werden. Länger sollte es jedoch nicht sein, um den Verhütungsschutz nicht zu gefährden. Auf dem Pearl Index erreich der Vaginalring einen Wert von 0,4 bis 0,6. Die Kosten des Vaginalrings pendeln sich für 3 Monate bei um die 50€ ein.



Die Verhütungsspritze


Eine weitere Methode für diejenigen unter uns, die sich nicht oft mit der Verhütungsmethode beschäftigen wollen, ist die Verhütungsspritze. Vielleicht kennen einige von Euch sie auch unter dem Namen „Drei-Monats-Spritze“. Wie dieser Name schon vermuten lässt, wird die Spritze innerhalb der ersten 5 Tage der Menstruation alle 3 Monate in den Oberarm, den Oberschenkel, den Bauch oder den Hintern gespritzt. Die Verhütungsspritze beinhaltet einen hohen Anteil des uns jetzt inzwischen bekannten Hormons Gestagen, den sie langsam über den Zeitraum von 12 Wochen freisetzt.


Aber Achtung: Üblicherweise wird die Spritze nur verschrieben, wenn man vorher bereits mit anderen Verhütungsmitteln Problem hatte oder sie wegen chronischer Krankheiten nicht für den Körper geeignet sind. Die Spritze kann nämlich Auswirkungen auf zukünftige Schwangerschaften haben, da der natürliche Menstruationszyklus 1 bis 2 Jahre brauchen kann, um sich wieder einzupendeln. Weitere mögliche Nebenwirkungen gleichen denen der Pille. Auch hier kann es zu unregelmäßiger Blutung, Brustspannung und Gewichtszunahme kommen. Da die Spritze 3 Monate lang wirkt, kann sie auch nicht einfach bei schlimmen Nebenwirkungen abgesetzt werden. Preislich liegt die Spritze bei um die 30€, jedoch können Zusatzkosten bei der Verabreichung anfallen.


Wo wir gerade bei der Verabreichung sind – spätestens nach 14 Wochen muss eine neue Dosis gespritzt werden. Geschieht dies nicht rechtzeitig, kann kein Verhütungsschutz garantiert werden und es muss anderweitig verhütet werden. Da für die Spritze eine Praxis aufgesucht werden muss, ist die Einhaltung dieser Frist nicht immer einfach. Daher ist der Pearl-Index bei typischer Anwendung mit 6 – 7 nicht superniedrig. Bei perfekter Anwendung besteht jedoch nur eine Versagensrate von 0,2 – 0,6 %.


Hiermit endet Teil 1 unserer kleinen Übersicht verschiedener hormoneller Verhütungsmethoden. Wir hoffen, ihr konntet etwas daraus mitnehmen. Wenn Ihr zu irgendetwas Fragen habt oder Euch etwas unklar sein sollte, schreibt uns immer gerne an! Wir versuchen Euch bestmöglich zu unterstützen (auch, wenn wir trotzdem keinen ärztlichen Rat ersetzen).


Be safe und bis nächste Woche!

Euer Happy Period Team


Quellen:

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/pille-anti-baby-pille/

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/familienplanung-verhuetung/pille-anti-baby-pille/pille-kombi-pille-mikropille/

https://www.bzga.de/infomaterialien/sexualaufklaerung/sex-n-tipps-broschueren/sex-n-tipps-pille-kondom-und-co-was-ihr-wissen-solltet/

https://www.netdoktor.at/sex/verhuetung/sicherste-verhuetungsmethode-5463

https://www.bzga.de/infomaterialien/familienplanung/familienplanung/verhuetung/sichergehn-verhuetung-fuer-sie-und-ihn/

https://www.gesundheit.gv.at/leben/sexualitaet/verhuetung/verhuetungsmittel/hormonelle-verhuetung/pille

https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/sex/verhuetung-dreimonatsspritze-depotspritze-707987.html

https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index

https://www.minimed.at/medizinische-themen/frauengesundheit/hormonelle-verhuetung/

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