Einmal ohne Alles – Hormonfrei Verhüten Teil 2

Nachdem wir euch letzte Woche schon einige Methoden zur hormonfreien Verhütung vorgestellt haben, folgen nun noch ein paar mehr. Zugegeben, wir waren selbst positiv überrascht, wie viele verschiedene Optionen es gibt. Besonders von der hohen Anzahl sicherer hormonfreier Methoden. Ein paar Unsichere gibt es jedoch auch. Aber dazu kommen wir noch. Jetzt wird es hier aber erst mal heiß ...


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Symptothermale Verhütung


Bei dieser Methode wird morgens direkt nach dem Aufwachen die Temperatur in der Vagina gemessen. Außerdem wird die Konsistenz des Zervixschleims beobachtet, um festzustellen, welcher Tag des Menstruationszyklus gerade ist. Anhand des Zervixschleims lässt sich die Ovulation feststellen, und die Basaltemperatur zeigt an, wann die fruchtbaren Tage vorbei sind. Während der fruchtbaren Tage muss entweder auf den Sex verzichtet werden oder (die spaßigere Variante) mit z. B. Kondom oder Diaphragma verhütet werden.


Diese Methode der Verhütung basiert auf einem guten Verständnis des eigenen Körpers. Wobei es mittlerweile einige Anbieter gibt, bei denen man zu dem Thermometer eine App verwendet, in der die Ergebnisse der täglichen Messung erfasst werden. Zudem können dort Faktoren wie etwa Alkoholkonsum am Vorabend oder Krankheit erfasst und von dem Algorithmus mit einbezogen werden.


Die Körpertemperatur ist in der ersten Zyklushälfte niedriger und steigt in der zweiten nach dem Eisprung an. Direkt nach dem Aufwachen wird gemessen, entweder oral, vaginal oder anal. Wichtig ist, dass innerhalb eines Zyklus immer die gleiche Messform angewandt wird. Es sollte also nicht am einen Tag im After und am nächsten Tag im Mund gemessen werden (abgesehen davon, dass das Thermometer für diesen Wechsel seeehr gründlich gesäubert werden sollte).


Auch der Zervixschleim verändert sich im Laufe des Zyklus und kann so ein Indikator für dessen verschiedene Phasen sein. Am Anfang, in der Follikelphase ist kaum Schleim vorhanden. Kurz vor dem Eisprung bemerkt man ihn dann im Höschen oder bei Abwischen auf der Toilette. Während des Eisprungs ist er zäher und weniger durchsichtig.


! Achtung ! Durch Sex und Samenerguss, Verhütungsgel (Diaphragma/Portiokappe) oder auch nur durch sexuelle Erregung kann der Zervixschleim beeinflusst werden. Auch das muss in die Berechnungen mit einfließen.

Für zusätzliche Sicherheit wird zudem die Untersuchung des Muttermundes hinzugezogen. Durch tägliches Ertasten können so die fruchtbaren Tage erkannt werden. Vor dem Eisprung ist er fest und ragt weit in die Vagina hinein. Rücken die fruchtbaren Tage näher, wird er weicher, öffnet sich leicht und liegt nun höher. Nach der Ovulation wird er wieder härter und verschlossener.

Hot Happy Period Tipp (der genau wie der Rest dieses Blogposts jedoch keine ärztliche Beratung ersetzt):


Wenn zusätzliche Unsicherheit besteht, kann zusätzlich noch ein Ovulationstest durchgeführt werden. Im Grunde genommen funktioniert er wie ein Schwangerschaftstest. Es handelt sich um einen einfachen Teststreifen, auf den drauf gepinkelt wird. Dadurch wird die Konzentration des luteinisierenden Hormons im Urin gemessen, wodurch der Eisprung ziemlich genau bestimmt werden kann.

Der Pearl Index dieser Verhütungsform bei perfekter Anwendung ist sehr niedrig (was, wie wir wissen, sehr gut ist). Er liegt bei 0,4 und bei typischer Anwendung immer noch zwischen 1,8 – 2,6.



Die Chemiker

Diese vielen unbekannte Methode der Verhütung erinnert stark an die Methoden der Ägypter in der Antike, die wir letzte Woche behandelt haben. Der aus Kunststoff bestehende Verhütungsschwamm wird mit einer spermiziden, sprich einer samenabtötenden Mischung getränkt. Es handelt sich hierbei demnach um eine chemische Verhütungsmethode. Um Hautreizungen zu vermeiden, sollte das Verhütungsschwämmchen daher nicht länger als 12 Stunden in der Vagina verbleiben, auch wenn bis zu 24 Stunden möglich sind. Das Schwämmchen wird so tief wie möglich in die Vagina geschoben. Während es eingeführt ist, kann beliebig oft Geschlechtsverkehr stattfinden. Nach der Benutzung muss das Schwämmchen entsorgt werden, es kann nur ein Mal verwendet werden.


Der Pearl-Index für den Verhütungsschwamm liegt bei 5 – 10. Es darf allerdings unter manchen Bedingungen nicht angewandt werden. Dazu zählen die Blutung, eine Pilzinfektion, kurz nach einer Schwangerschaft oder kurz nach einer Fehlgeburt. Außerdem können Juckreiz, Brennen und andere Hautirritationen auftreten.

Es gibt noch weitere chemische Verhütungsmittel. Darunter das Vaginal-Zäpfchen (Pearl-Index 6 – 21), der Vaginalfilm (Pearl Index 6) oder diverse Verhütungsgels. Sie erfreuen sich jedoch nicht sonderlich großer Beliebtheit und sich auch ohne zusätzliche Verwendung von Barrieremethoden nicht unbedingt das sicherste Mittel. Apropos unsicher ...



Coitus Interruptus


Der Coitus interruptus war bis in das 20. Jahrhundert hinein in Deutschland weit verbreitet (mehr dazu hier). Dabei ist diese Methode nicht unbedingt sehr verlässlich.

Kurz vor dem Samenerguss zieht der Mann seinen Penis aus der Vagina, um so das Eindringen der Spermien zu verhindern. Zumindest theoretisch. Denn oftmals gelingt das nicht so ganz.

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Außerdem tritt häufig auch schon vor dem Orgasmus ein wenig Samenflüssigkeit aus, weshalb selbst wenn das #pulloutgame stark ist, eine Befruchtung nicht ausgeschlossen werden kann.

Deshalb werden auch innerhalb eines Jahres etwa 27 von 100 Frauen schwanger, wenn sie diese Methode der Verhütung nutzen. Der Pearl-Index liegt demnach bei stolzen 27.



Die Sterilisation


Wo nicht alle Zutaten vorhanden sind, kann auch nicht gebacken werden. Oder so ähnlich. Durch eine Sterilisation kann jedenfalls das Thema Verhütung so ziemlich umgangen werden (wobei immer wieder angemerkt werden muss, das nur Kondom und Frauenkondom vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können).


Bei einem Mann wird für die Sterilisation eine Vasektomie durchgeführt. Dafür werden die Samenleiter durchtrennt und je nach Operationsmethode gekürzt, verschlossen und in verschiedenen Gewebeschichten abgelegt, um ein Zusammenwachsen der Stränge zu verhindern. Nach einer Vasektomie befinden sich jedoch noch Spermien in den Samenleitern. Es dauert wohl rund 20 Ejakulationen, bis sie alle rausgespült wurden. Nach ein paar Wochen sollte das Vorhandensein von Spermien zur Sicherheit ärztlich überprüft werden. Der Pearl-Index liegt mit 0,1 – 0,2 extrem niedrig.

Bereut man den Eingriff später, gibt es eine Möglichkeit ihn wieder rückgängig zu machen. Der Prozess ist jedoch sehr aufwendig und nicht immer von Erfolg gekrönt. Zudem ist die Spermienqualität danach oft schlechter.


Das Gegenstück zur Vasektomie ist die Tubensterilisation. Hierbei werden die Eileiter verschlossen, um so zu verhindern, dass ein Ei bis in die Gebärmutter gelangt und dort, oder auf seinem Weg dorthin, befruchtet wird. Der Pearl-Index liegt bei 0,2 – 0,3.

Die Operation ist um einiges Aufwendiger als die der Vasektomie und zudem mit mehr Risiken verbunden. Der Zyklus verändert sich nicht und auch der Hormonhaushalt bleibt unberührt (vorausgesetzt das umliegende Gewebe wird bei der Verödung der Eileiter nicht verletzt). Jedoch steigt das Risiko für Eileiter- und Bauchhölenschwangerschaften.


Auch dieser Eingriff kann theoretisch rückgängig gemacht werden, praktisch sind die Erfolgsaussichten auf eine anschließende Schwangerschaft jedoch sehr gering. Beide Operationen sollten daher sehr gut überlegt und ärztlich abgeklärt sein.

Fun Fact zum Ende


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2016 hatte ein Tischler eine Idee, mit der er die eigene Fruchtbarkeit kontrollieren wollte. Mit einer Art Wasserhahn für seine Samenleiter. Er ließ ihn sich sogar selbst „einbauen“ und war mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Bisher scheint das Produkt jedoch nicht auf dem Markt zu sein. Hier ist ein Link zu einem Artikel über das Samenleiterventil:

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/samenleiterventil-bimek-slv-verhuetungsventil-fuer-den-mann-a-1068113.html



Bis nächste Woche!

Euer Happy Period Team



Quellen:

https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/natuerliche-methoden/die-symptothermale-methode/

https://www.baby-und-familie.de/Kinderwunsch/Ovulationstests-Wie-anwenden-534681.html

Sichergehn – Verhütung für sie und ihn. Eine Broschüre der BZgA.

https://www.netdoktor.at/sex/verhuetung/verhuetungsschwamm-5480

https://www.familie.de/familienleben/eltern/sex-familienplanung/verhuetungszaepfchen-fragen-antworten-zur-verhuetungsmethode/

https://www.netdoktor.at/sex/verhuetung/scheidenfilm-5462

https://www.frauenarzt-ahrensburg.de/verhuetungsmethoden/

https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/schwangerschaft-und-geburt/sterilisation---dauerhafte-verhuetung-2013532


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